"Gärtnergedanken" von Andreas & Sandra, Mai 2002

 

Hallo,

als „alter“ Terrarianer und „frischer“ Iguanahalter (mit etlichen Anfangsproblemen; fragt Jens P. [danke noch mal !]  grins) und gelernter Gärtner habe ich mal die gängigen Futterpflanzen unter die Lupe genommen und mir so meine Gedanken auch zur Ergänzung dazu gemacht.

Meiner Meinung nach ist der Fehler einiger Halter bei der Futterauswahl (das betrifft nicht Mohan’s Empfehlungen, aber was ich auf so manchen Seiten gelesen habe ist schon traurig), die Pflanzen nur nach menschlichen Gesichtspunkten der Bekömmlichkeit auszuwählen und zu beurteilen. (Salat, Salat, Salat etc. in allen Variationen). Wenn man aber berücksichtigt, das Iguaniden (und andere pflanzenfressende Reptilien) einen ähnlichen Verdauungstrakt wie Vögel besitzen (kurzer Dünndarm, langer Dickdarm), dann muss man dies nach meiner Meinung aus einer anderen Perspektive beurteilen.

Bei Pflanzenfressenden Reptilien und Vögeln werden Pflanzliche Inhaltsstoffe anders aufgespalten und verwertet als bei Säugetieren (Menschen). Was für uns z.B. (leicht) giftig oder unbekömmlich ist, wird von diesen so oder so problemlos verwertet und umgekehrt. Ein Beispiel:

Eine Nachbarin pflegt seit rund 25 Jahren eine griechische Landschildkröte, die den Sommer über Freilauf im Garten genießt. Eine der von Ihr z.B. absolut favorisierten Futterpflanzen sind die gelben Blüten der Butterblume (Ranunculus; Hahnenfußgewächse, kriechende Art), die in allen Variationen ausgewiesene Giftpflanzen sind mit einem hohen Gehalt z.B. an Protoanemonin, das bei Säugetieren schwere Darmentzündungen verursacht und zum Tode führen kann.

(Was unsere Nachbarin nicht wusste) Die Schildi frisst es mit Begeisterung seit über zwanzig Jahren in Mengen ohne jegliche Nebenwirkungen !!!

Ich möchte jetzt nicht vorbehaltlos alles auch auf den Iguana ummünzen und auch keinesfalls! dazu aufrufen, seinen Grünen als Versuchstier auf die Verträglichkeit irgendwelcher Pflanzen zu benutzen; bin jedoch wie gesagt der Meinung, das man bei der Futterauswahl nicht nur menschliche Begebenheiten zur Bekömmlichkeit einer Pflanze für Reptilien als Maßstab anwenden darf. Außerdem habe ich festgestellt, das die Grünen (zumindest meiner) alles andere als unterbelichtet sind und Sachen antesten und wieder ausspucken (z.B. Petersilie, Sauerampfer etc.), wenn es Ihnen nicht schmeckt. Deswegen kann man meiner Meinung nach (fast) alles füttern (an Wildpflanzen!), was bei Einzeldarreichung sofort gern angenommen wird (Ausnahme Giftpflanzen); aber:

Abwechslung und noch mal Abwechslung!

(Er frisst die Blüten der Ranunculus übrigens auch mit Begeisterung, aber das habe ich nur einmal getestet, da mir das auch zu unsicher ist; übrigens auch ohne jegliche Nebenwirkung). Eine Anmerkung habe ich noch, da ich oft Oxalsäurehaltige Pflanzen auf den Futterempfehlungen finde und meines Wissens die Wirkung dieses Inhaltsstoffes auf Reptilien nicht bekannt sind; als Beispiel: Sauerampfer (Oxalsäure) soll nicht bei Nierenleiden (das ausgefällte Calciumoxalat ist Nierenschädigend!) oder von kleinen Kindern verzehrt werden und stellt bei größerem Vorkommen sogar eine Gefahr (Koliken) für Weidevieh dar (die aber auch nicht doof sind und ihn meist erst gar nicht fressen)!!  PS: meiner frisst ihn auch nicht bei Einzeldarreichung! (und das reicht mir) (so Widersprüchlich kann das gehen, lach).

Ich habe mal eine Liste (ungeordnet) aufgestellt mit potenziellen Futterpflanzen, die ich als Terrarianer und Gärtner für unbedenklich halte und teils schon mit Erfolg ausprobiert habe bzw. noch auf Akzeptanz meines Grünen testen werde als Ergänzung zu der bestehenden Futterliste. Fragen, Bedenken und Einwände sowie positive Erfahrungen damit gern an mich zurück!   (ich bin auch nicht der Einstein der Gärtner und kenne auch nicht jeden Inhaltsstoff oder Nährwert jeder Pflanze !!)

Spitz Ahorn Blätter, Tripmadam, Futterwicke, Knoblauchrauke, Kleiner Wiesenknopf, Zitronenmelisse, Weißer Senf, Bitteres Schaumkraut, Rauke, Portulak, Malve, Löffelkraut, Liebstöckel, Kerbel, Engelwurz, Boretsch,Winterkresse, Beifuß, Gilbweiderich, Wein

 

Du findest hier die entsprechenden Futterpflanzenliste mit weiteren Erläuterungen

 

 

 

Kornelkirsche, Eberesche/Vogelbeere, Schwarzer Holunder, Mahonie, Zweigriffliger Weißdorn, Himbeere, Brombeere, Hagebutte

 

Du findest hier die entsprechenden Futterpflanzenliste mit weiteren Erläuterungen

 

Rosenblüten,Flockenblume, "Schwarzäugige Susanne", Grünlilie, Bougainvilla

 

Du findest hier die entsprechenden Futterpflanzenliste mit weiteren Erläuterungen

Es gibt noch viel mehr, aber die von mir aufgeführten sind auch leicht und oft zu finden und/ oder selbst zu kultivieren.

Einige wenige der hier aufgeführten Pflanzen werden in der Literatur als „leicht giftig“ geführt, aber das ist der Löwenzahn auch!!!Und wer weiß schon wie viele „Giftpflanzen“ Iguanas in Ihren natürlichen Lebensräumen verzehren; vielleicht würden wir uns wundern!

Mag sein, das auch noch alte Namensformen Verwendung fanden, Bezeichnungen wie „Beeren und Früchte“ nicht korrekt sind (kennt jeder den Unterschied?) und das einige Pflanzen sowieso schon verfüttert wurden, aber vielleicht ist doch die eine oder andere dabei, die Ihr ruhig mal testen solltet, ohne das Ihr Sorge haben müsst, euren Grünen als Giftindikator zu missbrauchen.   Versprochen! Probiert es halt aus, was sie mögen und was nicht.

Werde mich in Zukunft mal damit befassen, welche Pflanzen in den natürlichen Lebensräumen vorkommen und als Zimmer- und Futterpflanzen bei uns Einzug halten könnten (oder vieleicht auch schon unbedacht vorhanden sind).

Tipps:

1.) Habe immer wieder gelesen, das bei Versuchen, Pflanzen ins Terrarium zu bringen, Probleme mit Milben, Springschwänzen und Trauermücken aufkommen und das deswegen oft unterlassen / abgebrochen wird. Kriege leider kein Geld für die Werbung, aber setzt die Pflanzen (das vertragen alle, auch Gewürzpflanzen) nach Anleitung in „Seramis“, dann habt Ihr keine Probleme mehr damit !! Leider ist das Zeug auch nicht ganz billig. (Geht auch in Terrakottatöpfen etc. ohne Ablaufloch im Boden!)

Wichtig: Vergesst nicht den Feuchtigkeitsanzeiger aus dem Zubehör mit einzusetzen, sonst saufen euch die Pflanzen schnell ab, weil man gefühlsmäßig sonst zuviel gießt! Bei Hydrokultur taucht immer wieder das Problem auf, das viele Pflanzen die Umstellung nicht überleben oder Kümmern (besonders wenn Laien das versuchen, sorry …. Grins); aber viele Pflanzen sind dafür wirklich nicht geeignet.

   
2.) Als Schutz für z.B. Kletterpflanzen empfiehlt sich eine um die Pflanze gelegte „Drahtröhre“ (nicht zu eng, kann ruhig der Topfdurchmesser sein).   Im Baumarkt / Gartencenter gibt es einen sehr stabilen Draht im Rechteckgeflecht (kenne leider nicht den genauen Handelsnamen) mit 1 und 2 cm Maschenweite und in 50 cm und 1m Rollenbreite. (Ist meist im Außenbereich zu finden, wo auch Zaunpfähle etc. liegen) Ist nicht ganz billig (Rolle ca. 30 Euro), aber wirklich „unkaputtbar“ und absolut witterungsbeständig auch im Terrarium.

Das sieht die ersten Wochen zwar blöd aus, aber wenn die ersten Blätter und Triebe da durchwachsen ändert sich das ganz schnell. Hierbei lässt sich am leichtesten mit Kabelbindern arbeiten. Einfach die Drahtenden aneianderlegen, Kabelbinder drum zu ziehen, Ende abkneifen, fertig. Ist eine Minutensache und hält bombenfest! Die gibt es in schwarz und in weiss.

Vorteil: Selbst ausgewachsene Grüne können darauf herumklettern ohnenden Draht zu verbiegen oder die Pflanze nachhaltig zu schädigen und können gleichzeitig immer frische Blätter und Blüten "abmampfen" Nicht vergessen die "Röhre" auch von oben mit Draht zu verschließen! Vorsicht auf abstehende Drahtenden und scharfe Schnittkanten achten!

Geht super mit Kapuzinerkresse und Bougainvillea (ist auch „rankend“, das wissen die wenigsten; die neugekauften sind mit einem Stauchemittel behandelt, wodurch das Längenwachstum über lange Zeit gehemmt wird). Den bekannten „Karnickeldraht“ halte ich für ungeeignet; der ist einfach zu weich.Kapuzinerkresse ist in der Wohnung / Terrarium mehrjährig. Sie wird bei uns nur als einjährig angesehen, da sie normalerweise draußen kultiviert wird und nach den ersten kalten Nächten eingeht, da sie sehr frostempfindlich ist. Gibt es als hohe und niedrige Sorten. Die geht unter Terrariumbedingungen „ab wie Wolle“; so schnell können die Jungs das gar nicht abfressen!

Hoffe das der eine oder andere von Euch damit vielleicht doch was damit anfangen konnte.

Grüße an alle,

Andreas & Sandra

Krefeld im Mai